Die wichtigste Frage: würde ich mir nach all den Erfahrungen wieder ein Aussie holen?!

Ich nehme die Antwort direkt vorweg:

ganz klar Ja!

Wir haben seit 2016 viel erlebt. Viele Tiefen, aber auch Höhen.. und ganz wichtig: ich habe aus der ganzen Situation mit Kenai viel gelernt.

Australian Shepherds sind wundervolle Hunde. Wenn man die Neigung zum Monk-Dasein besitzt und gerne Struktur im Alltag lebt, ist es der perfekte Hund 🙃

er ist sensibel, gelehrig und wunderschön /vielseitig ❣️

Nun habe ich von einigen Menschen in meinem Umfeld gehört, dass sie gar nicht glauben können, dass ich nach den ganzen Erfahrungen mit Kenai wieder einen Aussie haben möchte. Und ich habe mich selbst gefragt, ob es das Richtige ist…

…und selbst eine Züchterin sagte zu mir: du solltest dir besser eine andere Rasse aussuchen…

Wenn man den Tipp so liest könnte man meinen es ist einfach nett gemeint.. das es Rassen gibt, wo die Epilepsie weniger verbreitet ist, aber es war mehr als das..

… es war auch die erste ehrliche Antwort auf meine Welpenanfrage, denn seitdem ich diesen Blog ins Leben gerufen habe, ist auch einiges ans Licht gekommen.

einseitig aus meiner Perspektive heraus. Als Laie keine Ahnung von Vererbung/ Zuchtlinien/ Pedigrees usw..

Für mich war damals klar, dass Kenais Mutter und/ oder Vater die Krankheit vererbt haben müssen. Es wurden äußere Faktoren ausgeschlossen.
Ich habe mir gerade nicht die Arbeit gemacht jeden Beitrag hier im Blog durchzulesen, aber ich glaube es gibt genau einen zu dem Thema Zucht. Da ich keinen Eintrag hier verändern möchte, weil es für mich wie eine Art Tagebuch ist, halte ich es auch nicht für notwendig nochmal alles durchzulesen.

wichtig ist das Hier und Jetzt!

Als ich damals Kenais Krankheit mit dem Blog öffentlich gemacht habe, prasselte eine Flut von Nachrichten auf mich ein. Ich bekam viele liebe Nachrichten, aber auch genauso viele unfreundliche.. meist von Züchtern, die durch Linien betroffen waren.

Zu dem Augenblick war es für mich unverständlich und es machte mich wütend und traurig zugleich..

.. jetzt mit Abstand kann ich jede Reaktion der Züchter verstehen!

wenn man sich dafür entscheidet in die Zucht zu gehen, macht man das meist aus der Leidenschaft (dem Aussie gegenüber) heraus…

es müssen viele Dinge beachtet werden, die ich als Laie gar nicht alle auflisten kann.. von den Linien mal abgesehen.. man benötigt fast ein Medizinstudium, um da durchzublicken.

deswegen alle Achtung vor der Entscheidung aller Züchter, diese Passion zu gehen.

Kenais Züchterin hat ihre Passion schon viele Jahre gelebt und bis zu dem Zeitpunkt, als Kenais Epi ausbrach mit besten Ge/Wissen. Es kann jeden treffen und wenn man sich ganz viel Zeit nimmt gibt es keine Linie der Aussies, wo keine Epi drin vorkam, vermutlich.
Ist es dann nicht vermessen von mir den Züchter öffentlich zu stellen? Liest ein Interessent nicht nur den Kennel und stempelt ihn dann damit ab? Hinterfragt er vielleicht wenigstens die Linie/ die Verpaarung..? Wahrscheinlich nicht!

und selbst dann heißt es nicht, dass alle Nachkömmlinge betroffen sind. Kenais Geschwister hatten nichts. Wenn auch ein Neffe und Großneffe.. wo teilweise die Würfe schon gefallen waren ohne zu wissen, dass bei Kenai die Epi ausbrechen wird..

Ich habe mit einer Züchterin telefoniert, sie sagte sie würde bestimmte Verpaarungen trotzdem wieder so machen, weil es ganz besondere Hunde sind, die daraus entstanden sind.

Denn sind wir mal ehrlich es gehört mehr dazu! Und wir wissen leider überhaupt nicht welcher Parameter dafür verantwortlich ist, dass diese scheiß Krankheit ausbricht.

was ich mit dem Betrag bezwecke?

ich möchte klarstellen, dass ich den Blog für mich und meine Verarbeitung der schweren Zeit, ins Leben gerufen habe. Es sollte in erster Linie darum gehen anderen betroffenen Epi Besitzern zu helfen. Gefühle mitzuteilen, in denen sie sich wiederfinden können. Tipps, die vielleicht weiter helfen.

ich wollte v.a.im Nachgang niemanden schlecht machen. Leider und zum Glück kann man nichts rückgängig machen, aber ich hätte gerne vielseitiger auf/ klären wollen. Nicht nur aus meiner Sicht, sondern auch aus der eines Züchters.

was macht es mit Ihnen?

es gibt einen Spruch, der mir dazu in den letzten Tagen öfter in den Sinn kam:

Wenn du nicht 1000 Meilen in den Mokassins des Anderen gegangen bist, hast du kein Recht, über ihn zu urteilen.

und so ist es.. Kenais Züchterin und alle Betroffenen drum herum haben ihr Päckchen davon getragen, genauso wie Kenai und ich..

…noch heute merkt man die Einschränkung im Alltag:

die regelmäßige Tablettengabe, die strenge Ernährung mit all den Zusätzen. Die Kosten für Neurologe, Physiotherapeut, Heilpraktiker, Medikamente und und und.. Wir geben allein für/gegen Kenais Erkrankung im Jahr ca.2000€ aus. Mal abgesehen von der psychischen Komponente des kranken Hundes im Alltag. Die Unterbringung, wenn etwas ist, die Gewehrleistung der Medikamentengabe alle 8 Stunden. Das Ertragen* seines Verhaltens, das sich durch die Medikamentengabe verändert hat -> unruhig, ständig Hunger, viel am quietschen.. man beobachtet ihn immer und schaut, ob sich wieder Vorboten ankündigen..

Und trotzdem kann ich sagen: wir möchten wieder einen Aussie haben. Sie sind für uns die treusten Begleiter.

Wir meistern unseren Alltag und ganz wichtig: ich kann für mich mitnehmen, dass alles immer irgendwie seinen Sinn hat und so auch Kenais Erkrankung. Es hätte mit jedem anderen Hund auch passieren können. Wir durften/ dürfen gemeinsam diese Lebenserfahrung machen ❤️

Die Zeit vergeht…


Wir haben lange nichts von uns hören lassen..

Wie ihr im letzten Beitrag lesen konntet, haben wir menschlichen Nachwuchs bekommen. So ein kleines Menschlein nimmt ganz schön viel Zeit in Anspruch 😁

So konnten wir in den letzten 4 Monaten feiern und trauern zugleich:

wir mussten unseren Seelenhund Mika gehen lassen. Kenais Fels in der Brandung. Ihn hat das sehr mit genommen und er hat seitdem ganz schön abgebaut. Muskulär und sein Augenlicht wird schwacher..

Aber und diesmal ganz bewusst dieses Wort gewählt 👆🏼 Wir können auch einen riesen Erfolg feiern.

Kenai ist heute 2 Jahre und 113 Tage frei* und hat Ruhe.

wir sind unglaublich dankbar und freuen uns noch auf die gemeinsame Zeit, die wir miteinander haben ❣️