Der ständige „Hunger“ -> die Nebenwirkungen der Epilepsie/Medikamente

Wir haben länger nichts von uns hören lassen. Bei uns war viel los. Den letzten Monat haben wir damit verbracht um das Leben von Kenai zu kämpfen. Erfolgreich!

Der ständige Hunger hat Kenai schon vor 2 Jahren zu einem Darmverschluss verholfen*. An einem Sonntag bemerkte ich, dass an einem vermeintlich unkaputtbaren Spielzeug, was schon seit einiger Zeit heiß begehrt bei uns in Gebrauch war, ein Stück fehlte.

Mein Freund versuchte mich zu beruhigen und verwies auf die eigentlich sehr kleine Größe und den doch mittelgroßen Kenai mit seinem 21kg.

2 Tage später übergab Kenai sich am Morgen. Ein bisschen Glibber und ein paar kleine Holzstücke (Stöckchen darf er eigentlich nicht fressen, wie auch immer er das geschafft hat), mehr war nichts zu sehen. Er setzte weiterhin Kot ab und ich machte mir keine Sorgen. Doch am nächsten Morgen war ihm wieder schlecht, versuchte sich zu übergeben, es kam aber nix raus. Ich war unsicher und ging am Mittag zum Doc. Er wurde 2x geröntgt. Einmal ohne und einmal mit Kontrastmittel. Es war zunächst nichts auffälliges zu sehen. So mussten wir am frühen Abend noch einmal zum Röntgen in die Praxis. Wieder nichts konkretes. Wir mussten also bis zum nächsten Morgen abwarten, weil das Kontrastmittel durch den ganzen Darm wandern musste. Ich hatte kein gutes Gefühl. Bis zum Abend setzte er kein Kot mehr ab und übergab sich schließlich. Leider erinnerte mich das Bild/ der Geruch an Damals. Es ist der schlimmste Geruch, den man sich vorstellen kann. Ich versuchte mich zusammenzureißen.

Als er sich dann schließlich in der Nacht nochmal übergab und das in einer sehr großen Menge. Wusste ich, wir müssen handeln. Er hatte nichts zum Fressen bekommen und hatte kaum getrunken. Das was aus ihm raus kam, war schon rückläufig vom Darm :/. Es ist der wirklich schrecklichste Geruch, den man sich vorstellen kann. Mein Partner sagte zu mir: „so müssen tote Menschen riechen“. Nach einem kurzen Abklären mit der Praxis, fuhren wir direkt in die Klinik nach Duisburg.

Dort wurde er nochmal geröntgt. Es wurde wieder nichts greifbares gefunden. So bat der Doc mich Kenai da zu lassen, so dass er am Morgen mit dem Ultraschallgerät untersucht werden könne. Ich wollte alles, nur nicht Kenai alleine zurücklassen, ohne zu wissen was passieren wird. Ich erklärte dem Arzt, dass Kenai Epileptiker sei und es eine Menge Stress für ihn bedeute, wenn er nun zurück gelassen wird. Mit ein bisschen Überredungskunst konnten wir mit ihm in einem Behandlungsraum bis zum Morgen bleiben.

Von 03:30- 9:30uhr mussten wir warten. Es war eine lange schlaflose Nacht. Kenai stöhnte vor Schmerzen und konnte keine 5Minuten am Stück liegen bleiben. Dennoch versuchten wir ihm Sicherheit zu vermitteln. Als er dann um halb zehn endlich geschallt wurde und wir 15min.danach mit der Ärztin sprechen konnten, wussten wir es ist ein Darmverschluß und die Stelle konnte lokalisiert werden. Die Ärztin sagte uns, dass es ein schwerer Eingriff sei und machte uns nicht viel Hoffnung. Der Zeitpunkt, als ich Kenai abgab und er über den Flur mit in den OP-Saal lief, war absolut schrecklich. Ich fühlte mich total hilflos und gleichzeitig befreit, dass ihm endlich geholfen wird.

Am Mittag erhielt ich einen Anruf. Kenai hatte die Op soweit überstanden. Jetzt kämen die wichtigen nächsten Tage, wo er kämpfen müsse. 3 Tage blieb er in der Klinik. Am nächsten Tage (Samstag) fuhren meine Eltern in die Klinik und brachten den Ärzten extra gekochtes Futter vorbei. Ich wollte ihn nicht zusätzlich belasten. Immerhin hatten wir eine 8 Monate Ruhepause der Epilepsie geschafft. Sonntag kam nochmal ein kurzer Anruf. Eigentlich sagte man uns vorab, dass Sonntag keine Telefonzeiten gäbe und sie sich nur melden würden, wenn irgendwas sei. Mein Herz blieb auf einmal stehen. Ich hatte so große Angst ans Telefon zu gehen. Es war die Ärztin, die mir mitteilte, dass Kenai sich weiter gut berappelt. Er würde nur sehr viel schlafen. Puh, mir fiel ein Stein vom Herzen und ich war danach fix und fertig.

Am Montag durften wir Kenai am Mittag abholen. Als wir vorab mit der Ärztin sprachen zeigte sie uns den Übeltäter. Es war das Stück Spielzeug. Mein Freund kommt bis heute nicht darauf klar, dass wir prinzipiell daran Schuld haben, dass es erneut zu einem Verschluss kam. Aber gut, wir konnten es nicht mehr ändern. Der Augenblick, als Kenai zu uns geführt wurde war sooo schön ihn wiederzusehen. Die Tage davor gingen mir alle Szenarien durch den Kopf, aber genau auch diese wie wir ihn wieder in unsere Arme schließen dürfen <3

Er war sehr schlapp, aber wir waren unheimlich dankbar. Er schaffte die Strecke bis ins Auto. Leicht unsicher, aber eigenständig. Zuhause angekommen wurde das Laufen schwerer. Er brauchte viel Unterstützung, sonst drohte er umzufallen. Die nächsten 2 Tage wurde alles schlechter. Mittwochs fuhren wir zu unserer Praxis. Leider verwies die Ärztin uns in die Klinik, so dass wir Hals über Kopf wieder in die Klinik fahren mussten. Er konnte nicht mehr laufen. Kein Schritt. Aus dem Auto wurde er mit der Liege abgeholt. Ich wusste überhaupt nicht was los war und machte mir große Sorgen. Die Sorgen, die doch eigentlich schon ausgeschöpft waren und hinter uns lagen. Es war extrem Kräftezehrend. 2 Stunden warteten wir auf den behandelnden Arzt. Wieder Ultraschall.. Wieder Blutabnahme. Keine Auffälligkeiten. Wir durften nach Hause (Die Ärzte waren sich einig noch ein paar Tage abzuwarten und Kenai Zeit zu geben)und warteten nur noch auf den Phenospiegel, der EpilepsieMedikamente. Am Abend kam eine Email mit einem völlig utopischen Wert von 51!

Wir kontaktierten eine Neurologin und bekamen für Freitag einen Termin. Wir drosselten eigenständig am frühen Freitagmorgen die Medikamente. Leider bekamen wir dann eine krankheitsbedingten Absage der Neurologin. Also mussten wir bis Montag auf unsere alte Neurologin warten. Am Wochenende wurde es etwas besser. Am Montagmorgen untersuchte die Neurologin Kenai. Sie war erschrocken über seinen Zustand. Seine Stellreflexe waren nur sehr verzögert vorhanden. Der Phenospiegel einen Tag später zeigte jedoch einen ganz anderen Wert von 31! Wir schraubten die Medikamentengabe direkt wieder hoch, so dass wir auf den alten Plan zurückkamen.

Tag für Tag ging es Kenai besser. Unser täglicher Begleiter war unser Heilpraktiker. Wir nennen ihn auch von Herzen den Zauberer. Er päppelte ihn Schritt für Schritt auf. Akupunktur, Laser, Spritzen im Wechsel. Sogar Sonntags kehrten wir bei ihm ein. Wir sind wirklich über alles dankbar, dass er und seine Frau eine so großartige Unterstützung waren/ und sind.

In der folgenden Woche wollte Kenai uns noch ein paar Sorgen, quasi umsonst, schenken. Die Naht entzündete sich innerhalb von wenigen Stunden, zusehend. Es war ein Kraftakt: Heilpraktiker, Body, Binden für Draußen… aber auch das überstanden wir nach einer Woche, so dass Kenai jetzt seit 4 Tagen keinen Body mehr tragen muss!

Was es nun war, warum Kenai die neurologischen Ausfälle hatte, können wir nur erahnen. Ein Mix aus dem Medikamentencocktail: Levetiracetam, Luminal, Luminaletten, Narkose, Vergiftung des Darmverschlusses, Schmerzmittel und Antibiotika. Und evtl ein Bluterguss an der Wirbelsäule. Aber Hauptsache ist, dass es Kenai jetzt wieder den Umständen entsprechend gut geht.

Heute waren wir nochmal bei der Neurologin und bekommen morgen den aktuellen Phenospiegel. In der Hoffnung, dass er nun konstant ist. Er zeigt teilweise Vorboten für einen Anfall, aber bisher ist weiterhin alles ruhig. Wollen wir hoffen, dass es so bleibt.

Dieser Darmverschluss zeigt uns, dass es nicht *nur die Epielespie/ die Anfälle sind, die es heisst zu stämmen. Die Zeit, die ein kranker Hund extra benötigt. Der Extraaufwand an Fürsorge: Futtertechnisch, Physiotherapie, Heilpraktiker Zusätze etc., sondern eben auch die Nebenwirkungen, die es gibt: der ständige Hunger, den Kenai hat der ihn dazu bringt Spielzeuge zu fressen :/ unsere Geldbörse ist um gut 3000€ geschrumpft. Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen. Erst als ich im Futterladen stand und meine Karte nicht mehr funktionierte wusste ich, dass mein Wochenlimit erreicht war.

Wir wünschen allen Epilepsie-Hundebesitzern eine besinnliche Weihnachtszeit. Ein schönes Fest und v.a. Ein ruhigen Übergang!

Haltet durch. Unsere Hund danken es uns jeden Tag mit ihrer unendlichen Liebe <3

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