Haustierarzt und/vs. Neurologe

Viele von uns kennen den genauen Unterschied zwischen Hausarzt, Neurologe, Hautarzt, Zahnarzt etc.in der Humanmedizin. Doch wie sieht es in der Veterinärmedizin aus?

Wir mussten uns schon vor ein paar Jahren mit der Thematik auseinandersetzen als sich Mika übermütig im Spiel seinen Eckzahn abbrach. Unser Tierarzt überwies uns damals zu Herrn Dr.Zahner einem Zahntierarzt. Bis dato wusste ich gar nicht, dass es diese Spezialisierungen gibt, abgesehen von dem sehr passenden Namen Dr.Zahner 😉

Als Kenai seinen ersten Anfall hatte, fuhren wir noch am selben Tag zu unserem Tierarzt. Schnell wurde klar, dass es ein Anfall war, aber wer genau konnte uns nun  weiter helfen? Aufgrund einer genauen Diagnostik wurde uns empfohlen einen Neurologen aufzusuchen, um dort ggf.eine Mrt/ Liquoruntersuchung durchzuführen.

Wir sind damals in die Klinik nach Hofheim im Taunus gefahren. Herr Dr.Thilo von Klopmann hatte sich damals sehr viel Zeit genommen, um uns alles bzgl. der Thematik zu erklären. Er war sehr einfühlsam und erklärte uns die weiteren Schritte/ Möglichkeiten, die wir hatten. Uns wurde sehr schnell klar, dass ein sogenannter Haustierarzt dieses Fachwissen gar nicht aufbringen konnte ohne es studiert/ promoviert zu haben. Nun wäre für eine dauerhafte neurologische Begleitung der Weg nach Hofheim mit 2std.Autofahrt zu weit gewesen. So traten wir über Empfehlungen an unsere jetzige Neurologin Frau Bathen Nöthen in Köln ran. Seit 1.5 Jahren begleitet sie uns. Bei aufkommenden Fragen beantwortet Sie diese via Email so schnell es geht, teilweise sogar am späten Abend oder Wochenende. Eine aufopfernde Rolle, die eine in dem Falle Neurologin da auf sich nimmt.

Nun weiß vielleicht der ein oder andere Leser unter Euch, dass Kenai seit einiger Zeit wieder unter vermehrten Anfällen leidet. Im www/ bei Facebook habe ich schon viel von Herrn Dr.Dr.Berk gelesen. Ein Neurologe, der in London arbeitet und zeitweise in München und Strassheim in der Praxis tätig ist. Die Wartezeiten und die Anfahrt in den Süden sind sehr lang. Dennoch las ich immer so viel Gutes über ihn.

Ich überlegte für mich..wie würden wir Menschen handeln? Was wenn die bisherige Medikation aufgrund Ursache xy nicht ausreichend  wirksam ist.?

Ganz klar: wir würden uns eine 2. Meinung einholen. Und genau das fühlte sich für mich 100% richtig an. Ich vereinbarte einen Termin bei Herrn Dr.Dr.Berk. Aufgrund eines vorerst gewählten Telefontermines hatten wir nur eine Wartezeit von 4 Wochen.

Heute war es soweit und was soll ich sagen? Das Warten hat sich gelohnt!

Wir haben 1std.lang telefoniert und ich habe mich zu 100% verstanden und professionell beraten gefühlt. Herr Dr.Berk hat sich zum einen Zeit genommen und zum anderen hat er mir jeden einzelnen Schritt verständlich erklärt. Vorab wurde mein Wunsch/ mein Ziel welches ich an ihm habe offen gelegt und während des Gespräches und am Ende nochmals abgeglichen. Dadurch hatte ich ein sehr gutes Gefühl, welches sich selbstverständlicher Weise auch auf Kenai projiziert. Warum auch immer habe ich nach dem Telefonat Hoffnung bekommen. Mehr denn je ♡

Fazit aus unserem Telefonat:

Wir werden die Medikamente unter Abstimmung mit unserem Haustierarzt und unserer Neurologin verändern. Wir werden ein Medikament etwas hochfahren und ein Anderes auf Dauer absetzen. Der sogenannte HoneymoonEffekt, welcher sich bei z.B.Levetirazepan einstellt, wenn man es als Dauergabe gibt könnte eintreffen. Im zweiten Schritt werden wir die Ernährung anpassen. Schlüsselwort: Katogene Ernährung. Aber eins nach dem anderen.

Viele Tipps, die er mir gegeben hat, werde ich zeitnah umsetzen: z.B.im optimalen Falle 3 std.vor und nach der Tablettengabe kein Futter anzureichen. Durch den ummantelnden Futterbrei kann Phenobarbital z.B.Luminal bis zu 25% weniger aufgenommen werden. Eine Störquelle, die es je nach Managment möglich ist auszuschließen.

Ich kann jedem von Euch, der bisher *nur bei seinem Haustierarzt in Betreuung ist, raten einen Neurologen aufzusuchen. Das Wissen/ die Erfahrung sind im EpilepsieManagment sehr wichtig. Und manchmal bedarf es auch eine 2.Meinung, um dann gemeinsam einen Weg zu finden ♡

 

Die Balance zwischen Ruhe und Aktivität

Wie finde ich für Kenai die richtige Balance?

Zu Beginn der Krankheit habe ich mir zunächst keine großen Gedanken darüber gemacht. Der Alltag blieb gleich. Ich war damit beschäftigt herauszufinden was Kenai da eigentlich hat.

Doch dann kamen mehr und mehr Anfälle, so dass ich einen größeren Fokus auf die möglichen Auslösefaktoren legte. Was hat er gefressen? Welche Stressfaktoren spielen eine Rolle?  Was hat er vorher gemacht? War etwas anders als sonst…?

Spätestens als ein Anfall einen Tag darauf folgte, als ich mit Kenai ausgiebig spielte, fing ich an zu glauben, dass ich diese Reize abstellen oder stark eingrenzen müsste. Ich begann damit Spiele weg zu räumen und Spaziergänge lediglich zum Lösen zu nutzen. Und eine für mich mit schwierigste  Entscheidung: ich nahm Kenai aus der Arbeit raus*.

Bei einem Aussie keine so gute Idee. Relativ schnell merkte ich, dass Kenai unausgeglichen wurde. Er hatte Langeweile und ich ein schlechtes Gewissen. Ich schnappte mir einen Ball und nahm Kenai mit raus zum Spielen. Er freute sich so sehr, dass er sich fast überschlug. Und dann kamen die Gedanken: Wie viel, wie oft darf ich jetzt nochmal werfen? Wie oft verstecke ich den Ball? Ist das Hecheln ein Zeichen dafür, dass sein Körper nicht mehr kann? Wie wirken sich die Medikamente auf seine körperlichen Kräfte aus?

Wer konnte mir all diese Gedanken beantworten? Wie ich heute weiß: Keiner!

Die für Kenai richtige Balance finden. Und auch diese Tag für Tag anzupassen. Wie ist das Wetter? Wie läuft er heute? Hat er müde/ rote Augen? Wieviele Medikamente nimmt er zurzeit? Um einige Sätze aufzuschreiben, die mich zu dieser Balance führen.

Und v.a.die Gewissheit egal für wieviel Ruhe oder Aktivität ich mich entscheide:

Es ist gut so, wie es ist!

Ich habe aus den mir möglichen Wissen/ meinen Erfahrungen heraus eine Entscheidung getroffen und egal was daraus entsteht: es ist gut so!

Bedenke das bitte auch für Dich! Du handelst aus Deinen Erfahrungen heraus. Keiner kennt deinen Hund so gut wie du! Egal wofür du dich entscheidest: es ist gut so, egal was passiert.

Wenn du das für dich verinnerlicht hast, kannst du mit deinem Hund all die Dinge tun bei denen du ein gutes Bauchgefühl hast. Dein Verstand sagt „ja, das ist gut so!“.

Und genau deswegen waren wir heute am See und haben ein extra Wasserspiel für Kenai eingebaut:

Er hatte so viel Spaß! Und genau das sind die Augenblicke, die wir genießen. Die wir im Hier und Jetzt leben!

Ich wünsche Euch ganz viele solcher wundervollen Momente der Verbundenheit und den gemeinsamen Spaß. Das gibt Kraft für all das, was kommt