Züchter und Co

Lange habe ich Kenais Erkrankung verarbeiten müssen. Die größeren Pausen zwischen den Anfällen im ersten Jahr und die Hoffnung einer Genesung durfte verarbeitet werden. Denn jede längere Pause und der dann wiederkehrende Anfall hat einen gefühlt jedes mal wieder zurück geworfen. Wie ein Stich ins Herz. Man hat doch alles versucht.

Heute würde ich sagen, haben wir uns den Umständen entsprechend an die Erkrankung gewöhnt. Und genau aus diesem Grunde möchte ich die Thematik Züchter und Co aufgreifen.

Als Kenai seinen ersten Anfall hatte, war der erste Weg nach dem Tierarzt der Kontakt zur Züchterin. Sie haben schließlich jahrelange (in der Regel) Erfahrung mit der Rasse. Sehr klar und direkt wurde mir erklärt, dass Kenai einen epileptischen Anfall hatte und ich ihn so schnell es geht medikamentös einstellen müsse. Ich bin ein Mensch, der sich zunächst mit allem auseinandersetzt. So auch mit den Nebenwirkungen der Medikamente und dem Wissen, dass das Absetzen sehr viele Gefahren birgt. Was wenn Kenai gar keine Epielepsie hat? Vielleicht hatte er den Anfall wegen der Wurmkuren oder durch das plötzliche Herunterspringen vom Bett/Sofa. Vielleicht ist der Nacken/ Nerv blockiert. Mir gingen so viele Fragen durch den Kopf zumal die Züchterin davon sprach in ihrer Linie erst einen EpiFall gehabt zu haben und der nicht im direkten Kontakt zu Kenai steht (Wie sich später herausstellt war das gelogen).  Ganz abgesehen von der Sorge eines erneuten Anfalles und seinen Hund zu verlieren. Die Angst ist dann nämlich plötzlich allgegenwärtig.

Neben all diesen Gedanken die klaren direkten Worte der Züchterin. Warte nicht zu lang! Je mehr Anfälle du abwartest, desto schwerer wird es Kenai einzustellen. Leider nicht wirklich hilfreich – eher mehr Stress wann die Medikamente angefangen werden sollten.

Und dann kam die Bitte – die mich bis heute verfolgt: niemanden davon zu erzählen. Sie hätte zurzeit einen Wurf mit Welpenkäufern, die mit den Hunden dann züchten möchten. Diese würden abspringen, wenn Sie davon erfahren. Sie würde in den nächsten Tagen selbst Kontakt mit denen aufnehmen und die anderen Interessenten, die ihre Hunde nur zu privaten Zwecken nutzen würden nichts erfahren, damit sie sich nicht unnötig Sorgen machen.

Ich hab keine Ahnung warum, aber ich hielt mich daran. Die ersten 1.5Jahre trug ich diese Last mit mir herum. Nur wenige Leute wussten von Kenais Anfällen. Gerne hätte ich mich mit anderen AussieBesitzern ausgetauscht. Gerne hätte ich mich in Foren mit anderen Betroffenen unterhalten. All das wurde mir verwehrt. Und ja ich hatte es selbst in der Hand, aber ich hatte mein Wort gegeben. Auch wenn das für mich hieß teilweise für einen Anderen mir recht unbekannten Menschen zu lügen.

Vor einem halben Jahr veröffentlichte ich einen Beitrag auf meiner Facebookseite, auf den mich mehrere Leute privat kontaktierten um nachzufragen was mit Kenai los sei. Das war der langsame Prozess für mich mehr und mehr offen damit umzugehen. Nun nach meinem Facebookaufruf im März wussten alle davon. Endlich erfuhr ich Anteilnahme, die für mich sehr sehr wertvoll war. Die Worte haben mir sehr geholfen. Endlich konnte ich mich mit anderen Betroffenen austauschen. Und es gab auch zwei Menschen, die sich bei mir meldeten, die Kenais Neffen und Großneffen besitzen – ebenfalls mit Epilepsie.

Für mich war diese Info wie ein Schlag ins Gesicht und gleichzeitig war ich sehr dankbar es zu erfahren, denn nach Rücksprache mit meiner Neurologin können wir uns so alle weiteren Untersuchungen: MRT etc. sparen. Die Wahrscheinlichkeit der genetischen Disposition liegt sehr hoch.

Bei dem Facebookaufruf ging es darum Spenden für die MRT Untersuchung zu sammeln. Ebenfalls Tipps und Wissen anderer, die uns bereits geholfen haben. Kenai ist nun seit 7 Wochen anfallsfrei. So lang wie seit einem halben Jahr nicht ♡

Leider hat sich die Züchterin zu dem Aufruf nicht gemeldet. Spätestens dann, wenn sie von den Geldnöten liest, hätte ich erwartet mehr Info zu der nahen Verwandschaft mit Epilepsie zu bekommen. Oder wenigstens nette unterstützende Worte. Leider nichts.

Vor ein paar Tagen habe ich dann noch erfahren, dass Kenais Vater mehrere Hunde mit Epilepsie produziert hat. Manchmal angeblich mehrere Hunde in einem Wurf.

Was daran wahr ist weiß ich nicht, aber es macht mich wütend. Wütend, dass ich nun hier auf meinem Sofa Sitze und mir Vorwürfe mache so lange meinen Mund gehalten zu haben. Denn mindestens dem Großneffen hätte es erpart werden können.

Traurig und für mich ist dieser Beitrag so wichtig, um wenigstens jetzt mit der Thematik im Reinen zu sein. Alles öffentlich gemacht zu haben, um ggf.andere Halter zu warnen/ schützen.

Wichtig: ich möchte noch verdeutlichen, dass ich keinen Züchter Vorwürfe mache, wenn plötzlich Epilepsie in der Linie xy auftritt. Wir können nicht zaubern oder hellsehen. Aber mutwillig die Gefahr einzugehen weitere Hunde mit dieser ziemlich schrecklichen Krankheit zu produzieren, ist für mich grob fahrlässig und verantwortungslos.

Wir haben Kenai in ein Register eintragen lassen. Auch wenn nur die Info epileptiformer Anfälle vermerkt ist.

Kenais Mutter und Vater:

An Alle, die sich zurzeit in einer ähnlichen Situation befinden, zögert nicht Euch mit Anderen austauschen, denn je mehr man weiß, umso mehr kann man tun und v.a.lernt man schneller mit der Erkrankung umzugehen ♡

 

 

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