Was uns diese Krankheit lehrt…

…wir haben länger nichts von uns hören lassen. Und genau deshalb möchte ich dem nächsten Beitrag genau dieses Thema widmen:
Was haben wir/ was habe ich in den letzten 3.5 Jahren durch die Krankheit gelernt?

Es klingt absurd von lernen zu sprechen. Ich würde es mir/uns gerne ersparen -> diese Lernerfahrung
Aber wie ist es so schön und auch gut im Leben? man kann es sich nicht aussuchen.

Wir haben das erste Jahr damit verbracht uns mit der Krankheit überhaupt annähernd auseinanderzusetzen. Die ersten 5 Monate ohne Medis und dann doch den Entschluss in die Tierklinik nach Hofheim zu fahren. Die Prognose laut Arzt versprach nichts Gutes, so dass wir uns für die Medis -> Luminal entschieden. Die ersten 4 Wochen waren der Horror. Nichts ging mehr. Kenai lief überall gegen und hat nicht mehr wirklich am Leben teilgenommen. Wir haben die Medis gehasst und haben sie über die Monate tatsächlich wieder Schritt für Schritt abgesetzt. Eine Tierheilpraktikerin half uns während der Zeit. Für mich war klar, dass ich Kenai an meiner Seite haben wollte und nicht irgendeinen Zombie*. Und dann fingen die Serien an und siehe da die Meinung konnte sich doch noch verändern. Ich wollte Kenai nicht leiden lassen oder gar verlieren.
Also fingen wir wieder mit den Medis an.

Bis jetzt haben wir viele ruhige, aber mindestens genauso viele schlimme Momente durchgemacht. Gerade dann, wenn die Pausen der Anfälle etwas größer ausfielen, war der nächste Anfall umso schlimmer.

In dem letzten halben Jahr hat sich vom Gefühl her jedoch etwas für uns verändert. Ich kann gar nicht genau sagen was es ist, aber es fühlt sich ein großes Stück weit mehr nach Vertrauen an.
Vertrauen ins Leben, in das was da kommt, denn eins ist klar wir haben bisher alles Erdenkliche für Kenai getan, um ihn sein Leben lebenswert zu machen.

Dieses Gefühl bekommt seit Wochen/Monaten mehr und mehr Raum ♡ es fühlt sich fantastisch an. Ich merke, dass ich mich gerade wenn es um wichtige Entscheidungen geht mehr auf mein Bauch/ Herzgefühl verlasse.

So haben wir eine klare Entscheidung getroffen und uns auf 4x feste Säulen zum EpilepsieManagment festgelegt.

  1. Arzt/ Neurologe
  2. Ernährungsberaterin
  3. Heilpraktiker
  4. Physiotherapeut 

Jede Säule übernimmt zu 100% ihren Bereich und alles ist miteinander verbunden. Wir sind dankbar nach der langen Zeit unseren Weg gefunden zu haben und was soll ich sagen es hat sich gelohnt, denn Kenai hat seit….

…. Trommelwirbel…..

♡  91 Tage Ruhe ♡

Wir genießen jeden Tag mehr und erfreuen uns an vielen kleinen Dingen, wie ein nasser- riechender- Hund der übers gesamte Gesicht grinst und sich seines Lebens freut. Wackelig, teilweise unkontrolliert Aber glücklich ♡♡♡

Wir danken dieser grauenvollen/ schrecklichen Krankheit, denn sie lehrt uns im Hier und Jetzt zu leben, kleine Dinge zu feiern und zu vertrauen!

Digitale Unterstützung zum Welt-Epilepsie-Tag

Am 12. Februar ist Welt-Epilepsie-Tag. Ein Tag, an dem Teilhabe, Solidarität und  Aufklärung im Vordergrund stehen. Aufklärung z.B. darüber, welche modernen Hilfsmittel es für die Therapie von Epilepsie gibt.

Eines dieser modernen Hilfsmittel ist MyTherapy, eine kostenlose App,die nicht nur an die Einnahme von Medikamenten erinnert, sondern auch die Möglichkeit bietet, verschiedenste Symptome, Messwerte und Aktivitäten zu dokumentieren. Für chronisch Kranke entwickelt, stellt die App auch für viele andere Anwender eine nützliche Unterstützung in der Therapiebegleitung dar.So können beispielsweise auch Hundebesitzer an die regelmäßige Gabe der wichtigen Antiepileptika erinnert werden. Gerade bei einer Erkrankung wie der idiopathischen Epilepsie, welche ohne erkennbare Ursache auftreten kann und zumeist durch genetisches Erbgut verursacht wird, ist es von großer Bedeutung, zusammen mit dem Tierarzt eine geeignete Therapie, welche individuell auf den jeweiligen Hund angepasst wird, zu entwickeln. In diesem Zusammenhang erfolgt in der Regel eine medikamentöse Therapie, welche mit strikten Einnahmezeiten einhergeht. Eine konsequente Verabreichung der Antiepileptika ist eine Grundvoraussetzung für den Erfolg der Therapie, denn:Medikamente können nicht helfen, wenn man sie nicht nimmt. Aus diesem Grundsatz heraus wurde die MyTherapy-App entwickelt. Diese soll helfen, die Therapietreue zu erhöhen und somit die Ergebnisse der Therapie zu verbessern. Zum einen werden die Medikamente durch die Erinnerungen seltener vergessen und zum anderen können verschiedenste Symptome dokumentiert werden, wodurch der Arzt einen besseren Gesamteindruck der tatsächlichen Wirkung der Therapie bekommt. Gerade bei einer Erkrankung wie der Epilepsie ist es äußerst wichtig, dass die Dosierung der Antiepileptika immer wieder durch den behandelnden Arzt angepasst wird. Durch die Diskussion der dokumentierten Einnahmen, Symptome und Messwerte mit dem Tierarzt wird ermöglicht, die Therapie besser an den individuellen Hund anzupassen.

Dieser Artikel wurde geschrieben von Niklas, Teammitglied von https://www.mytherapyapp.com/de, einem Produkt
von https://www.smartpatient.eu. Erhältlich im https://itunes.apple.com/de/app/mytherapy-meds-pill-reminder/id662170995?mt=8 und bei GooglePlay.

Unsere persönlichen Erfahrungen:

Wir nutzen die App jetzt in der 3.Woche und finden die App eine tolle Möglichkeit an die Gabe der Medikamente erinnert zu werden. Die Erinnerungstöne können individuell eingestellt werden und sind angenehm. Es ist möglich jedes einzelne Medikament aufzulisten: Dosierung und Menge. Die zusätzliche Erinnerung,  wann das Medikament leer geht, ist ein tolles Tool. Hier kann man die übrigen Tage eingestellten und hat genügend Zeit sich neue Medikamente zu bestellen. Jeden Tag ertönt zu den eingestellten Zeiten ein Erinnerungston. So lange bis man die Aufgabe als erledigt anklickt. Am Ende des Tages kann man Symptome Auffälligkeiten etc zusätzlich eintragen. Diese sind zwar auf den Menschen Maßgeschneidert, aber für den Hund gut adaptierbar.

Bei den Erinnerungen ist uns aufgefallen, dass diese teilweise 1-3min später ertönen. Wem dies ein zu großes Risiko ist, kann die Zeiten auch 3min vor stellen.

Für uns auf jeden Fall eine gelungene App! Die wir sehr gerne weiterempfehlen…

Medikamentengabe…

Allgemeine Tipps:

Kenai hatte in den letzten Wochen eine lange Ruhepause. 3,5 Monate! Das war der Wahnsinn 👌

Woran lag es?

Abgesehen davon, dass wir mit unserem neuen Neurologen des Vertrauens Herrn Dr.Berk einen neuen Plan aufstellten, war der erste neue wichtige Punkt:

1.Das Luminal auf ein höheren/ besseren Spiegel anzupassen.. von 28 auf 34.5..

2.Zusätzlich hielten wir uns an die Anweisung 2-3 Stunden vor und nach Medikamentengabe kein Futter zu geben..

Herr Dr.Berk erklärte uns, dass der Wirkstoff besser aufgenommen werden könne, wenn der Hund nüchtern sei.

Allein die Zwei Punkte bewirkten die lange Pause, nach der wir uns so gesehnt hatten ♡

Aufgrund des nächsten Punktes Leve auszuschleichen, da es lediglich als Serienunterbrecher dienen soll, waren wir irgendwann an dem Punkt zu überlegen die Medis bzw das Luminal nur noch 2x täglich zu geben..

3.Auf Anraten von Frau Bathen Nöthen starteten wir vor ca.einem Jahr die 3x tägliche Dosis des Lumials. Denn..es gibt Hunde, die den Wirkstoff schneller als 12std verwerten/ abbauen..

Leider stellte sich keine große Veränderung ein. Dennoch blieben wir beim 3x täglich geben, weil wir eine zeitlang Leve als Dauermedikation gaben.

Vor 4 Wochen war es jedoch soweit und ich hatte als Wunsch auf unserem Plan die wieder Umstellung auf 2x täglich,  stehen.. Ja ich weiß „never change a winning system“..aber das 3x tägliche Medis geben schränkt das Leben schon enorm ein. Arbeit..Hobby..der gesamte Alltag ist darauf abgestimmt..  zumal wir die Zeiten 5uhr 13uhr 21uhr haben.. jeden Morgen klingelt also bei uns der Wecker um 5uhr morgens..  in der Woche kein Problem, da mein Partner eh um 5uhr aufstehen muss, aber am Wochenende… mal abgesehen vom Schlafrythmus..

Also wagten wir nach Absprache mit dem Neurologen das Experiment der Umstellung auf 2x täglich. Leider ging es nicht auf. Die 3.5 Monate waren dahin.. leider..  und ja ich machte mir Vorwürfe „warum musstest du es ausprobieren..er war doch so gut eingestellt“…

Nunja.. so wissen und hoffen wir, dass Kenai ab jetzt mit dem 3x täglich 65mg Luminal wieder eine sehr sehr lange Pause bekommt.. er hat es verdient ♡

Für Euch vielleicht eine zusätzliche Option in eurem Plan?  Sprecht es wenn mit euerm Neurologen ab.. und überlegt ob ihr das Nüchternsein 2-3 Std vor Medigabe umsetzen könnt..

„Medikamentengabe…“ weiterlesen

Furbo – oder besser gesagt…

….unser Freund und Helfer!

Unterstützt durch Furbo/ Anzeige

Das Leben mit Epilepsie stellt alles auf den Kopf. Es braucht einige Zeit, um mit der Erkrankung Freundschaft* zu schließen. Auch wenn es absurd klingt wünsche ich es jeden EpiHundebesitzer von Herzen -> werdet Freunde und findet Weitere.

Was meine ich damit?

Die Erkranung erfordert viel Entbehrung und ein gutes Zeitmanagement. Wir stoßen an unsere Grenzen und dürfen lernen damit umzugehen und v.a.sie zu akzeptieren.

Sobald dies geschieht sieht man im besten Falle die Erkrankung als Freund. Denn die Erkrankung ist da..egal was wir tun. Und so habe ich gelernt im Umfeld mehr und mehr Freunde in unser Zeitmanagement einzubeziehen.

Freunde stellt hier ein Synonym für Helfer dar. Das sind im wahrsten Sinne Freunde, aber auch Familienmitglieder oder unterstützende Dinge, die den Alltag mit Epilepsie lebenswerter gestalten.

Und hier komme ich auf unseren Freund den Furbo ♡

Furbo ist eine interaktive und intelligente Hundekamera, mit der man den Hund von überall aus sehen, mit ihm sprechen und ihm sogar Leckerlis zuwerfen kann.

Für uns essentiell wichtig, da wir zu jederzeit sehen können, ob es dem Hund gut geht. Denn auch wir Menschen haben zu der Erkrankung noch unser eigenes Leben: unsere Arbeit, andere Verpflichtungen wie Einkaufen, Freunde und Freizeit.

Der Furbo kommt zu Euch so:

2m USB Kabel, Furbo Netzteil, Schnellanleitung sowie von KARKALIS COMMUNICATIONS bereit gestellte Leckerlis.

Die Kabel steckt ihr in den Adapter und in das Gehäuse. Die Leckerchen könnt ihr oben in den Korpus füllen:

Die Leckerlis sollten im besten Falle einen Durchmesser von 1cm betragen. So passen ca.100 Stück in den Furbo.

Und schon kann es los gehen… um das Handy mit Furbo zu verbinden müsst ihr die App herunterladen und die Installation Schritt für Schritt abschließen. Wenn ihr möchtet könnt ihr ein eigenes Konto mit Bild einrichten. Über das habt ihr die Möglichkeit einen personalisierten Spruch aufzunehmen, der kurz vor dem Leckerliauswurf abgespielt wird.

Werbevideo

https://youtu.be/mHJEEvo5VBM

Ihr könnt eigenständig zu jederzeit (wenn ihr Internetempfang habt) schauen, ob es eurem Hund gut geht. Oder ihr werdet von Furbo darüber informiert, wenn es laut wird und der Hund z.B. bellt.

Ich war am Anfang hin und her gerissen, weil ich gemerkt habe dass ich unentwegt auf mein Handy schaue. Einige Freunde fragten mich was ich denn tue, wenn es Kenai nicht gut geht. Aber abgesehen davon, dass meine Familie in direkter Nähe wohnt, hat es mein Gewissen sehr beruhigt zu sehen, dass es ihm gut geht.

Ich habe die Möglichkeit, wenn er unruhig ist/ jault oder weint Leckerlis zu werfen oder/ und mit ihm zu sprechen. Das hat ihn bisher immer abgelenkt.

Ich möchte Furbo als Freund*/ Unterstützung nicht mehr missen. So kann ich auch sehen was meine anderen Hunde tun, wenn ich weg bin ♡

Denn es gibt auch Rudelmitglieder, die gerne Unfug anstellen:

Und aufs Sofa hüpfen oder meinen das Haus mit Bellen zu beschützen  😉

Mit Furbo habt ihr die Möglichkeit das Verhalten von unterwegs aus zu unterbrechen. Baut dafür den Furbo gut auf. Bleibt in der Nähe des Hauses. Korrigiert über eure Stimme und wenn es nicht direkt klappt geht wieder ins Haus. So haben die Hunde nicht die Verschaltung, dass ihr nicht da seid, wenn ihr über die Kamera sprecht.

Ihr merkt alles eine Sache des Timings/ Aufbaus.. hier haben es alle 4x Hunde angenommen.. wenn ihr sicher sein wollt, fragt ihr euren Hundetrainer des Vertrauens. Der wird Euch sicher helfen.

Wir danken dem Karkalis Communications Team für die Furbo Kamera, die sie Kenai gespendet haben ♡

Und wir danken natürlich den Furbo-Entwicklern für diesen tollen *Freund/ Unterstützer, den wir nicht mehr missen wollen!

Wenn ihr auf den Geschmack gekommen seid, dann hier nochmal alle wichtigen Daten:

  • VK Preis 259€
  • Maße 15x12x22,5cm
  • Gewicht 950g
  • Weitwinkellinse mit 160°Blickwinkel 4x digitaler Zoom
  • Infrarot LED Nachtsicht

Und hier könnt ihr den Furbo dank Blackfriday für nur 199€ bestellen:

https://bit.ly/2BnEcsa

Gerne könnt ihr eure Erfahrungen unter dem Beitrag als Kommentar hinterlassen.

An Alle: schön, dass Ihr wieder vorbei geschaut habt ♡

Wenn Mensch und Hund voneinander profitieren…

…dann ist die tiergestützte Therapie goldwert!

Heute möchte ich Euch noch einen kleinen Einblick in unseren Arbeitsalltag geben. Wie ihr merkt gibt es zurzeit viele positive Beiträge von uns. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Kenai seit 63 Tage Ruhe hat ♡

Frau M.übergeht ihre kognitiven Einschränkungen und füllt für Kenai die Leckerlis in das Interaktivspiel. Trotz Schwierigkeiten behält sie das Lächeln auf den Lippen und Kenai, der sonst nur noch zu leichten Spaziergängen eingesetzt wird, ist komplett entspannt und behält alles im Auge 🤗

Kenai hat seit 2.5 Jahren Epilepsie und es ist uns nicht einfach gefallen ihn vorzeitig in Rente* zu schicken. Seit ca.drei Monaten betreuen wir Frau M. Sie ist pensionierte Krankenschwester und eine sehr liebevolle und herzliche Klientin. Die Einsätze gehen für mich leicht von der Hand. Ich erkläre dieses Phänomen immer damit, dass die Menschen dann keine Energie von mir und somit auch nicht von meinen Hunden saugen.

Ihre Nichte hat zudem gesagt, dass gerade sie als Krankenschwester mit dieser Erkrankungsehr gut zurecht kommen würde.

Für Kenai und Mich, aber auch v.a.für Frau M.ein ganz besonderes Gefühl ♡
vor allem sind die Zwei so herzig miteinander…

Die lange Pause, die ein Rekord des kompletten letzten Jahres bricht, erzeugt ganz viel Hoffnung und Zuversicht ♡

Nichts ist wertvoller als…

…der heutige Tag!

„Nichts ist wertvoller als der heutige Tag“…sagte J.W.von Goethe

Wie recht er damit hat!

Dieses Foto verdient einen eigenen Beitrag. Dieser Augenblick, festgehalten auf einem Foto..für die Ewigkeit..

Herr B und Kenai laufen gemeinsam durch den Wald. Es spielt keine Rolle welche Einschränkung Beide haben. Sie halten zusammen ♡

Das Bild ist für mich so bedeutend und wunderschön 🙏

 

Es ist noch ein Weg, auf dem ich mich selbst befinde und das Beste ist: ich traue mich ♡  immer mehr… Dank Kenai und vielen Menschen, denen ich begegne.. Sie und auch die Epilepsie ermöglichen mir diesen Weg 🙏

Denn…nichts ist wertvoller als der heutige Tag ♡

PS: heute genau sind 8 Wochen Ruhe ♡

 

einfach zu leben…

…und weniger Sorgen über das Wieso Weshalb Warum!

Die Zeit, der längeren Ruhe (heute genau 34 Tage) gibt uns die Möglichkeit eine andere  Perspektive einzunehmen. Wir verändern unseren Alltag kaum: haben unseren Job, unsere Freizeit und all den Spaß und Stress der dazu gehört. Aufregung und Ärger gehören zum Leben dazu und siehe da es passiert nichts. Es ist ein wunderbares Gefühl, weil man sich von dem Vorwurf an Anfällen mit Schuld zu sein, entfernt. Das Spielen wird mehr und auch hier die ein oder andere Minute, In der Kenai positiven Stress bekommt. Und siehe da: es passiert nix. Hat es vielleicht doch seinen Sinn „einfach zu leben„..nicht ständig zu hinterfragen warum wieso weshalb der Anfall kam. Was ich hätte besser oder anders machen können?

Ich fühle mich von Tag zu Tag ruhiger und kraftvoller. Ich habe das Vertrauen zurück gewonnen, was oftmals mit einem Anfall ins Schwanken gerät.

Aber viel wichtiger ist diesmal für mich die Erkenntnis:

einfach zu leben

Ohne viel drum herum.. das Natron, was wir seit ein paar Wochen weg lassen..die TCM Mittel, die leer gingen und die ich nicht nach bestellte. Die Globuli, die ich mit der Zeit weg ließ.. ohne wirklich darüber nachzudenken…

Und es funktioniert auch so..

Auf der anderen Seite nicht zu verzweifeln oder innerlich wütend zu werden, wenn er draußen zwei drei Äpfel im Garten frisst, obwohl er doch 3 Stunden vor der Tabletteneinnahme nüchtern sein sollte. Ja wir versuchen uns dran zu halten, aber genauso geht auch nicht die Welt unter, wenn es nicht klappt.

Ich habe mich so viel unter Druck gesetzt alles richtig zu machen. Optimal für Kenai und ja ich versuche immernoch vieles einzuhalten, aber es geht nicht immer alles und das ist Okay.

Und so haben wir seit 3 Wochen einen Diffusor mit wundervollen Ölen von  Dóterra im Einsatz. Tag und Nacht..  weil es uns gut tut.. weil wir so besser schlafen können.. weil wir uns gesünder/ unterstützt fühlen.. obwohl so viele sagen, dass ätherische Öle krampfauslösend wirken können. Ich habe mich dennoch gewagt. Etwas für mich getan.

Und ist es nicht so, dass man dieses Gefühl 24 Stunden auf die Hunde überträgt? Sollte es nicht das aller Wichtigste sein, dass es dem Menschen/ dem Hundebesitzer gut geht, damit er alle Kraft hat.. für seine Hunde da zu sein?

Können wir so für nächstes Jahr ein Urlaub ohne Hunde planen? Um Energie und schöne Momente zu tanken..für einen selbst..für das Ich?

Ja! einfach zu leben…

Das ist für mich Der Schlüssel für alles.. und gerne auch im Hier und Jetzt ♡

Ich würde mich riesig freuen, wenn ich Euch mit meinen Worten berühre. Hoffnung und Zuversicht und vielleicht auch Bestätigung für das eigene Handeln bekommt.

Vertraut in Euch und das Leben ♡

Das ständige Wechselspiel zwischen Ohnmacht und Hoffnung…

…wirkt zeitweise wie ein Kampf zwischen zwei völlig konträren Gefühlen!

Hoffnung, durch die immer wiederkehrende Kraft….

  •  es gemeinsam schaffen zu wollen
  • die Krankheit zu *besiegen
  • die Motivation der Pausen
  • diese zu vergrößern
  • durch das Zählen der Tage
  • durch Unterstützung von Außen: Partner, Freunde, Familie, Ärzte, Facebook etc.
  • Plan A, B, C, D, E….
  • verschiedene Medikamente, Heilverfahren, Mittel, Ernährung
  • Äußere Faktoren, die es gilt einzugrenzen..wie Stress, Reize, bestimmtes Futter etc.
  • durch Vergleiche mit anderen Hunden

Schlussendlich den Willen seinen Hund nicht zu verlieren und alles dafür zu tun..

Ohnmacht durch…

  • das plötzliche Aufschrecken, des Hundes
  • der Zeitpunkt, wenn man merkt das der Hund nicht mehr anwesend ist
  • die ständige Angst, dass der Hund nicht mehr *raus kommt
  • unter den Händen weg stirbt
  • wieviel geht diesmal *kaputt
  • hat er sich wieder verändert
  • wie lange braucht er sich zu erholen
  • schafft er noch mehr Medikamente
  • die Fülle an Medis in seine Schnauze zu geben
  • das Gefühl nicht alles zu tun
  • etwas falsch gemacht zu haben
  • wann kommt der Nächste
  • wird es eine Serie
  • wird er sich wieder verletzen
  • bekomme ich es mit
  • kann ich ihn alleine lassen?

Schlussendlich die Angst seinen Hund zu verlieren…


Noch gestern haben wir mit dem Arzt telefoniert. Ganz viel Hoffnung gewonnen. Kraft für die nächste Zeit…ohne zu wissen, dass diese keine 12 Stunden später wieder abgesaugt wird. Die fokalen Anfälle seien ein gutes Zeichen dafür, dass die Medikamentenanpassung wirkt. Spiegel und Leberwerte sind Top. Wir gehen den nächsten Schritt und werden das Levetirazetam alle 4 Wochen um 25% absetzen. Endlich ein Medikament weniger. Wir werden es schaffen 💪

Und dann…eine Nacht später..

Heute Morgen um 5:20uhr war es wieder so weit..keine Woche nach den letzten fokalen Anfällen..knappe 2.5 Wochen nach dem letzten Grand Mal Anfall. Es ging relativ schnell vorbei,  wenn man überhaupt bei so etwas von schnell sprechen kann. Diesmal benötigte er ca.1 Stunde für das Umherwandern. Er kam nur schwer zur Ruhe. Ich versuchte noch etwas zu schlafen. Schaffte es für ca. eine Stunde. Und siehe da mein Körper versuchte direkt das Gesehene in einem Traum zu verarbeiten.

Ich war in unserem Zuhause. Ging die Treppen hoch. Plötzlich merkte ich wie das Haus ganz leicht anfing sich zu bewegen. Ich glaubte es sei Einbildung.  Doch ein Blick an die Decke zeigte mir, dass ich Recht hatte. Das Haus schwankte ganz leicht hin und her, so dass mir schwindelig wurde.  Immer dann, wenn ich die Treppen rauf oder runter ging. Das Haus war instabil. Drohte einzustürzen. Ich holte meine Familie, um Beweise zu haben. Das Miterleben und gleichzeitige Filmen. Als ich alleine nach oben ging und die Anderen unten blieben, stellte ich auf einmal fest, dass Kenai nicht bei mir war. Ich hatte Sorge, dass er wenn das Haus einstürzt alleine ist. Verschüttet wird und stirbt. Ich rief ihn besorgt zu mir hoch und kuschelte mich ganz fest an ihn. Doch er legte sich weg..in die Ecke des Raumes. Und plötzlich merkte ich wie das Haus immer mehr und mehr schwankte und plötzlich der Boden unter meinen Füßen weg fiel…“

und wie so oft klingelt der Wecker oder in diesem Falle das Telefon. Puh..erstmal wach werden und sortieren. Was ist wahr und was nicht.. der Anfall am frühen Morgen war es leider. Und nun ist sie wieder da: die Ohnmacht 😔

Und um annähernd mit diesem Gefühl klar zu kommen, steigt die Wut in mir hoch.. Wut darüber, dass es kein Ende nimmt. Gekoppelt mit der Kraftlosigkeit kommen unschöne Gedanken hoch.. ich mag sie kaum aufschreiben, aber auch Diese gehören dazu:

Kann das nicht alles endlich vorbei sein? Wenn er nicht da wäre, müsste ich mir keine Sorgen mehr machen..

Über diese Gedanken hinweg  steigen direkte Schuldgefühle in mir hoch. So etwas nur denken zu können. Sowas egoistisches.  Tränen schießen mir in die Augen. Traurigkeit steigt auf. Der Blick geht zu Kenai, der gerade versucht eine Pfote vor die Andere zu setzen ohne umzufallen (Medikamente haben ihn *abgeschossen). Ich hasse diesen Anblick. Es macht mich so traurig. Ich lächel ihm zu. Immerhin möchte ich ihm kein schlechtes Gefühl vermitteln. Sage mir aber gleichzeitig, dass es eh keinen Sinn macht ihm was vorzuspielen. Mir laufen die Tränen die Wangen herunter. Ich laufe weiter..einen Schritt vorm Anderen.. mit Jedem wird es besser oder soll ich sagen neutraler. Ich fühle mich wie in einer Art Trance.

Gehe den Weg..der Weg, der da kommt. Die Zeit bringt wieder Hoffnung mit sich…das ist gewiss..von Tag zu Tag werde Ich sie tanken, um beim nächsten Mal wieder Dazusein. Für meinen braunen Bär…für den ich alles tun würde, damit es ihm besser geht.

Leben im Hier und Jetzt.. ich versuche es…für Kenai..für Mich und mein Umfeld ♡


Die Zeilen sind vielleicht nicht ganz einfach zu lesen. Spiegeln jedoch genau dieses Gefühlschaos zwischen Hoffnung und Ohnmacht wieder…

Danke Euch fürs Zuhören*!

Interview mit Dr. Benjamin Andreas Berk

Lieber Herr Dr. Benjamin Berk,

viele meiner Leser, wie auch ich haben von ihrer Arbeit via Facebook erfahren. Ein junger passionierter und einfühlsamer Tierarzt, der sich der Epilepsie beim Tier (Hund und Katze) verschrieben hat.

Viele User berichten von sichtbaren Erfolgen nach/ während der Behandlung bei Ihnen. Sie haben einige Hundebesitzer und bestimmt auch Katzenbesitzer glücklich gemacht, indem sie die Abstände der Anfälle minimieren konnten.

Ich durfte mich selbst davon überzeugen. Wir stehen zwar zurzeit noch am Anfang, aber was ich sagen kann ist, dass ich nach dem einstündigen Telefonat zum Einen wesentlich informierter bin (und das trotz schon 2 jähriger Betreuung von Tierärzten/ Neurologen) und zum Anderen sie mir sehr viel Hoffnung und Sicherheit gegeben haben. Meiner Meinung nach das allerwichtigste bei der schrecklichen Erkrankung Epilepsie.

Nun komme ich zum eigentlichen Interview. Die folgenden Fragen sind teilweise von FacebookUsern der Gruppe: „Epilepsie bei Hunden“ und persönliche Fragen, die mich interessiert haben, um das sehr positive Bild, welches ich von Ihnen bekommen habe, abzurunden:

 

  • Hatten Sie als Kind in der Familie schon mit Tieren/ Hunden Kontakt? und was war der ausschlaggebende Punkt Tiermedizin zu studieren?

 

„Tiere sind, waren und werden immer für mich ein unerlässlicher und ganz besonders wertvoller Bestandteil in meinem Leben sein. Ich kann mich nicht an einen Zeitpunkt in meinem Leben zurück erinnern, während dessen ich keine Tiere hatte. Seitdem ich denken kann, stand für mich fest, ich will Tieren helfen oder wie meine Mama immer sagte: „Schon als 4 jähriger sagte er, dass er mal „Tierdoktor“ werden wollte; dies hat sich nie geändert“!

Tiere sind treu, ehrlich, direkt und machen dir ganz klar, was sie von dir oder auch nicht halten. Bedingungslose Liebe bekommt man Tag für Tag von seinem Tier, ohne dass eine Gegenleistung dafür erwartet wird. In vielen Phasen – Up and Downs – meines Lebens konnte ich diese Liebe, den Halt, die Treue und unendliche Zuneigung spüren, möchte diese nie mehr missen.“

 

  • Warum haben Sie sich auf Neurologie spezialisiert?

 

„Eine sehr gute Frage: Die Faszination für die Komplexität hinter dem Nervensystem war schon immer sehr groß! Wie schafft es ein so enorm, hoch entwickeltes Organ unter den verschiedenen Spezien, Lebewesen zu dem zu machen, was Sie sind, können oder tun wollen. Was das Nervensystem zu können vermag bei Mensch, wie Tier, uns dazu befähigt, unter- und miteinandern wie auch der Umwelt zu interagieren, Persönlichkeit zu zeigen und ein Lebewesen zu dem macht, was es nach Außen ist, das wollte ich schon immer detaillierter verstehen und begreifen können. Das erweiterte und übersetzte Wissen zu besitzen, was bei welcher Erkrankung oder pathologischen Veränderungen des Nervensystem passiert, um dann therapeutisch behandeln oder „austricksen“ zu können, diese Herausforderung wollte ich aufnehmen.“

 

  • Was lieben Sie an ihrem Beruf am meisten?

 

„Ganz klar und simpel, die Tiere! – Jede tierische Persönlichkeit stellt mich immer wieder vor eine individuelle Herausforderung, diese zu verstehen, mich speziell anzupassen, und durch Empathie – gerade auch an auch schwierige Patienten – ranzukommen, anschließend eine Freundschaft, eine Verbindung zu den Vierbeiner zu schließen, dies beflügelt mich immer mit enormen Glück. Das besondere Tierarzt – Vierbeiner – Vertrauen ist für mich eine tägliche Challenge, und ebenso mein Glück des tierärztlichen Alltages.  

Doch natürlich, auch! der Umgang mit den Besitzerin auf einer gemeinsamen Ebene, gemeinsam für das Tier, im Team zu arbeiten, finde ich immer wieder einmalig!“

 

  • Warum der Schritt nach London?

 

„Ursprünglich plante ich eine Promotion als PhD. in den Naturwissenschaften (Neurobiologie) an der Universität Heidelberg zum Thema: „Neuroregenerative Implantate – Neuroprosthetik“ zu verfolgen. Das Projekt beinhaltete die Entwicklung von „Bahnen“ bei Nervendurchtrennungen oder Rückenmarksverletzungen. Durch mein absolviertes Doppelstudium war dies für mich ein logischer und spannender Schritt. Jedoch bemerkte ich fix, dass die Laborarbeit, so fern vom Patienten, ohne die direkte Anwendung, mir keine absolute Zufriedenheit gab. ICH WOLLTE MEHR!

So entschied ich mich – nach langem Kampf gegen den eigenen Plan und Perfektionismus – mich nach Alternativen in der klinischen Forschung zur Veterinärneurologie umzusehen. Am liebsten wollte ich zur Förderung meiner Internationalität ins englisch-sprachige Ausland. Das es im Bereich der Tierepilepsie sein musste, war recht schnell klar.

Um ehrlich zu sein, scheute ich in den Anfangsmonaten meiner Assistenzarztzeit in der Tierklinik Wiesloch ganz besonders Patienten mit der Anmeldung „Epilepsie“ – Warum? – Es war für mich als frischer Tierarzt einfach nicht greifbar, verständlich und die Angst, Fehler zu machen zu groß. Gerade auch an der Uni ist das vermittelte Wissen unzureichend, einen Patienten und den Besitzer wirklich adequat zu betreuen fast unmöglich.  Interessanterweise, habe ich die Eigenschaft, mich genau diesen Herausforderungen auf die Dauer zu stellen, um diese in meine Stärken umzuwandeln (Prinzip: The Growth Mindset). So entwickelte sich bereits dort mein besonderes Interesse für diese Erkrankung. Basierend auf meinen neurobiologischen Grundlagen und Anwendungen in der Laborforschung in der Biologie, verfolgte ich den Ausbau und die Erweiterung meines Wissens in der Tierepileptologie. Doch, sehr schnell stoß auch ich auch auf Hindernisse, gab es neben dem Einsatz von Medikamenten keine andere Option für unsere Vierbeiner? – So kam mit einem Blick in das humanmedizinische Umland die Ernährung oder spezielle Fütterung (Neurodiätetik) in mein Blicklicht.  

Während dieser Zeit kam es dann zur Kontaktaufnahme mit einem der führenden Tierepileptologien in der akademischen Welt – Prof. Dr. Holger Volk. So spontan, wie ich nun einmal bin, schrieb ich eine kurze Email, klopfte an seine Tür, mit einem Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung im Gepäck und fragte für eine PhD-Stelle in der klinischen Veterinärneurologie an.

Mit offenen Armen empfangen reiste ich dann für eine erste Hospitation im April 2016 nach London an das Queens-Mother Hospital des Royal Veterinary College. Das Projekt von „Mittelkettigen Fetttsäuren als Öl“ im Rahmen eines diätetischen Managements für Hunde entstand, ich war angefixt und wollte nicht mehr Weg. Nach Hürden der Bürokratie, einem internationalen English-Test, der Registrierung in der englischen Tierärztekammer (MRCVS) und dem Zulassungsverfahren, konnte ich mich am 11. Juli 2016 PhD Student des RVC der Universität London nennen. Tschaka! Los konnte es gehen mit der europaweiten Forschung zum neurodiätetischen Management der idiopathischen Epilepsie des Hundes.“

 

  • Kommt es häufig vor, dass ein Hund nur einen Anfall hat und danach nie wieder?

 

„Wirklich Statistiken zu diesme Thema – aufgrund der hohen Dunkelziffer – gibt es nicht, jedoch gibt es schon einige Patienten, die speziell in den jungen Monaten/ Jahren oder der Pubertät einen epileptiformen Anfall erleiden und dann nie wieder. Ich rate grundlegend immer an, eine neurologische, allgemeine Untersuchung, samt Basis-Blutcheck durchführen zu lassen. Danach müssen die Daumen gedrückt werden!“

 

  • Ab welcher Anzahl von Anfällen sollte mit einer Medikation begonnen werden?

 

„Nach den internationalen Richtlinien sind wiederkehrend, 2 Anfälle innerhalb von 6 Monaten, oder 1 Anfall in einem Quartal bereits für eine Behandlung sprechend. ABER, sollte man auch hier immer den Anfall bewerten, die Abstände besprechen und der Tierarzt natürlich vermeiden, Medikamente nur dann einzusetzen, wenn ein Risiko für Leib und Seele des Patienten bestimmt. Dies gilt individuell zu beurteilen durch einen Tierarzt. Natürlich ist es immer das Ziel, keine Medis einzusetzen zu müssen! Das Notfall-Package mit Notfallmedikation, wie Diazepamtuben, sollten aber bereits bei 1 Anfall immer zu Hause vorhanden sein und durch den Tierarzt besprochen sein.“

 

  • Wann ist Pexion angesetzt, wann Luminal?

 

„Eine wahrhaftig komplexe Frage und kann nicht direkt pauschal beantwortet werden! Während Pexion kaum Nebenwirkungen im Sinne von Organschäden aufweist, musst man bei Luminal (oder Phenobarbital) immer die Leberverstoffwechselung mitbedenken. Beide Medikamente haben klassische Nebenwirkungen, wie viel fressen, trinken und pinkeln.

Prinzipiell sollte Pexion eher bei milden bis sanft moderaten Formen der Epilepsie (einzelne Anfälle in Wochen bis Monatsabständen). Es sollte nicht als primäres Antiepileptikum bei Hunden oder Katzen mit Cluster-Anfällen oder bei einem Status epilepticus eingesetzt werden (EMEA 2012). Phenobarbital rutscht somit auch nach den internationalen Standard an Platz 1 bei moderaten bis allen Formen der Epilepsie.“

 

  • Wirken sich die Medikamente negativ auf das Immunsystem der Hunde aus?

 

„Es gibt Berichte aus der Humanmedizin über ein sogenanntes „antiepileptic hypersensitivity syndrome (AHS)“, was ein herabgesetztes Immunsystem hervorruft und somit zu Folgesyndromen führt. Bis dato, hatte ich diesen Fall noch nicht, kann aber sagen, dass einige Epileptiker gesundheitlich anfälliger sind als nicht-epileptische Patienten.“

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21542845

 

  • Bei Anfällen können Gehirnzellen absterben. Ab welcher Dauer kann man davon ausgehen, dass etwas kaputt geht. Ist es irreversibel?

 

„Prinzipiell sterben bei allen Anfällen Gehirnzellen ab, jedoch korreliert die Menge mit der Dauer der Anfälle. Ab einem Anfall von 5 min – DAUERKRAMPF – kann das Nervenzellsterben, Ödem im Gehirn und die Unterversorgung mit Sauerstoff zu massiven irreversiblen Schäden führen. Potentiell muss man sagen, dass alle Epileptiker im Laufe der Lebenszeit durch die Vernarbung auch verhaltensbedingte Veränderungen zeigen.“

 

  • Könnte eine Impfung Auslöser für Anfälle sein?

 

„Schwer zu sagen, es gibt keine Daten dazu. In seltenen Fällen wurde über eine dadurch hervorgerufen Autoimmunerkrankung diskutiert, jedoch bis heute nicht bestätigt. Für mich als praktizierender Tierarzt sollte jeder Hund grundimmunisiert (GI) werden! – Tollwut bleibt je nach Auslandsaufenthalten weiterhin diskutabel. Nach der GI rate ich in der Regel – außer es ist ein hoher Infektionsdruck vorhanden – zu Titerbestimmungen und Auffrischung nach Bedarf. Beachten Sie hier, dass es bei diversen Zuchtvereinen, Hundeschulen, oder auch beim Grenzübertritt besondere Richtlinien – vom Gesetz –  zu berücksichtigen sind.“

 

  • Ist die Gabe von Spot-on bei einem Epi Hund ratsam?

 

„Betrachtet man die Wirkungsweise der „Spot-Ons“ als Nervengift gegen Parasiten zu wirken, ist die Frage relativ leicht zu beantworten. AUCH! Wenn es bis dato keine klinischen Studien über einen Provozierung von Anfällen bei Tieren gibt, muss man bedenken, dass der Wirkstoff bei einem Epileptiker mit einer potentiell genetischen Anomalie anders wirken kann, als bei einem gesunden Hund. Somit gilt für mich: Anbehandlung nur bei absolut begründetem Risiko oder einer nachgewiesenen Diagnose, eine Diagnose machte eine Behandlung notwendig und somit das Risiko vertretbar.“

 

  • Können ätherische Öle und/ oder Lebensmittel Auslöser für Anfälle sein?

 

„Geruchsstoffe oder andere Einflüsse auf unsere Sinne wurden in der Humanmedizin als relevant beschrieben, in der Tiermedizin kann man dazu leider nichts sagen. Jedoch kann ich mir vorstellen, dass dies auch eine Relevanz hat und in der Zukunft beachtet werden sollte. Bei Lebensmittel bestehen viele Unklarheiten. Die Diskussion jedoch über „Getreide“ ist eine Mund-Propaganda ohne wissenschaftlichen Boden in der Tiermedizin.“

 

  • Wenn Sie die Wahl zwischen 1.Barf 2.Trockenfutter oder 3.Dosenfutter hätten, was würden Sie wählen?

 

„Kein speziellen Fütterungsregime ist die Eine, es muss nur richtig und bedarfsgerecht sein.

Keine Fütterung ist die Optimalste oder Beste in einem allgemein zu übertragendem Sinne, somit würde ich hier sagen, IMMER INDIVIDUELL entscheiden, und mindestens einmal im Leben durch eine tierärztliche Ernährungsberatung auf den Nährstoffbedarf überprüfen lassen. Bis heute wissen wir in der Tiermedizin nicht, ob ein Mangel bestimmter Stoffe, Epilepsie oder Krampfanfälle begünstigen oder verbessern können. Ich hoffe, dies in der Zukunft durchleuchten zu können.“

 

  • Bekommt ein Hund mit sekundärer Epilepsie weiterhin Anfälle, wenn die Ursache behandelt wurde?

 

„Schwere Frage –  Es kommt ganz darauf an, was die Ursache ist und wie lange die Epilepsie zuvor bestand. Auch wenn eine manchmal Ursache gefunden und behoben werden könnte, kann durch das bestehende Plus-Minus Ungleichgewicht weiterhin die Epilepsie erhalten bleiben. Zum Beispiel: Lebershunt – Verbindung zwischen Zu- und Abfluss in der Leber, unvollständige Entgiftung, Ammoniakerhöhung > Vernarbung im Gehirn, Lebershunt wurde chirurgisch behoben, Vernarbung bleibt bestehen > Epilepsie erhalten.“

 

  • Wie kann man einen epileptischen Anfall von einer Synkope unterscheiden?

 

„Kardinalszeichen eines epileptiformen Anfalls sind geistige Abwesen- oder Eingeschränktheit, vegetative Symptome, wie Speicheln, Harn- und Kotabsatz, Dauer: Sekunden bis Minuten, und eine posiktale Phase der Erholung. Bei einer Synkope – oder dem Bewusstseinsverlust durch eine Herz-Kreißlaufproblematik – ist der „Anfall“ in der Regel nur Sekunden, es treten keine Ruderbewegungen oder Verkrampfungen auf, der Patienten ist vollständig abwesend, steht auf und läuft weiter. ABER – Immer wichtig ggf. abzukären.“

 

  • Was sagen Sie zu alternativen/ unterstützenden Behandlungen wie Kaisernatron und kollodialen Gold?

 

„Damit habe ich absolut keine Erfahrung. Es gibt keine wissenschaftlichen Nachweise oder Untersuchungen (weder für noch dagegen) bei beiden Stoffen, lasse ich somit – zum Schutze meiner Patienten – die Finger davon. Prinzipiell sollte man hier aber die Interaktion mit dem Medikamenten in Betracht ziehen und ggf. als Störfaktor eliminieren. Gerade der Einsatz auch von minimalen Dosis im Rahmen der Alternativmedizin oder Kräuter aus der TCM können toxisch oder anfallsfördernd wirken.“

 

  • Könnte es sein, dass Menschen besser/ schneller Medikamentös einstellbar sind, als Tiere/ Hunde?

 

„Wie beim Menschen, sind 30% der Hunde schwer einstellbar und werden als resistent bezeichnet. Prinzipiell gibt es aber beim Menschen deutlich mehr Medikamente, wodurch dies verfälscht so erscheinen kann.“

 

  • Ist eine Kastration von Vorteil?

 

„Dies ist individuell abzuwägen, bis dato gibt es keine Empfehlungen hinsichtlich dessen. Gerade bei einer Läufigkeitsbedingten Epilepsie (katamential) kann dies zu einem Ungleichgewicht führen und sogar eine Verschlechterung bewirken. Beim Rüden würde ich die Kastration vom Stresspegel während der „Paarungszeit“ abhängig machen, und ob ein Zusammenhang mit der Epilepsie zu sehen wäre.“

 

  • Wird an einem Gentest geforscht, genauso wie der für zB.MDR?

 

„Geforscht wird in diese Richtung immer, speziell für bestimmte belastete Rassen, nur die Analyse des Genoms ist hoch-komplex und dauert Jahrzehnte!

Gentests existieren aktuell:

  • Lafora-Epilepsie (Speicherkrankheit) – Beagle, Rauhaardackel, zu den weiteren Hunderassen, bei welchen man diese Erkrankung begegnet, sind z.B. Basset, Zwergpudel und Großpudel, Pointer, Welsh Corgi oder Beagle.
  • DIRAS-Mutation oder Myoklonische Epilepsie beim Rhodesian Ridgeback
  • Beim Lagotto Romagnolo tritt eine Form der Epilepsie auf, die verknüpft ist mit Symptomen im frühen Lebensalter der Hunde. 

Weil es somit für viele keinen Gentest gibt, müssen umfangreiche Untersuchungen zum Ausschluss struktureller oder metabolisch-toxischer Anfallsursachen durchgeführt werden. Genetische Epilepsie kann man nur diagnostizieren, indem man alle anderen möglichen Ursachen ausschließt.“

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Vielen lieben Dank für die vielen informativen Antworten! Und nun noch abschließend ein paar persönliche Fragen…

 

  • Was war ihr schönstes Erlebnis als Tierarzt?

 

„Es waren zu viele als diese hier zu nennen, weil jedes Tier besonders ist und für mich behandelt wird, wie als wäre es mein eigenes.“

 

  • Was ist ihre Passion?

 

„Simpel und kurz: Diesen Lebewesen, unseren geliebten Vierbeinern und Tieren, eine Stimme zu geben, die keine haben.“

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Ich möchte Ihnen ganz herzlich danken. Für ihre Zeit, ihre Arbeit und ihr Dasein. Es ist wundervoll, dass es einen Tierarzt gibt wie Sie es sind.

Susann Leumer mit Kenai und Rudel..

 

Links zu Dr.Benjamin Andreas Berk:

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